21. Türchen im Netzwerkfrauen-Adventskalender
21. Dezember 2018 / Autor: Karin Winklhofer In unserem Adventskalender finden sich (Lebens)geschichten von Frauen und Mädchen mit Behinderungen.
Unsere ehemalige Praktikantin, Helen Groß, hat diese Frauenportraits aus aller Welt (teilweise auch der fiktiven Welt) und den verschiedensten Jahrhunderten gesammelt und aufgeschrieben.
Hinter dem heutigen Türchen verbirgt sich
Elfriede Lohse-Wächtler
Elfriede Lohse-Wächtler, geboren am 4. Dezember 1899 in
Dresden-Löbtau, war eine deutsche Malerin. Sie wurde von den
Nationalsozialisten am 31. Juli 1940 in der Heil-und Pflegeanstalt
Sonnenstein in Pirna ermordet.
Elfriede Lohse-Wächtlers Leben
Schon
als Kind war sie künstlerisch begabt. Mit Ihrer Begabung und ihrer
Fantasie waren ihre Eltern schnell überfordert. Gegen den Willen
ihrer Eltern studiert Elfriede Kunst an der Dresdner Kunstakademie. Sie malte fast ihr ganzes
Leben lang.
Sie war in Künstlerkreisen
bekannt und angesehen, war Mitglied der „Dresdner Sezession
Gruppe 1919“, die nach dem Ersten Weltkrieg mit Künstlern wie
Otto Dix und Conrad Felixmüller die Tradition einer
sozialkritischen, arbeiternahen Dresdner Kunst begründete. 1928 konnte sie sich an einigen Ausstellungen der neuen Sachlichkeit beteiligen.
Ihren Lebensunterhalt erwarb sie sich mit Batiken, Postkarten- und Illustrationsarbeiten. Obwohl Elfriede Lohse-Wächtler bereits zu Lebzeiten bekannt war, lebte sie in ständiger Armut.
1921 heiratete sie den Maler und Opersänger Kurt Lohse, dem sie nach Görlitz und später nach Hamburg folgte. Die Ehe war sehr schwierig. Die andauernde finanzielle Notlage führte zur zeitweisen Obdachlosigkeit. Infolge dessen und der partnerschaftlichen Schwierigkeiten erlitt Elfriede Lohse-Wächtler einen Nervenzusammenbruch. Sie wurde 1929 in die Staatskrankenanstalt Friedrichsberg eingewiesen.
In der Nervenklinik zeichnete sie Ihre Mitpatienten. Diese Bilder sind heute unter dem Namen „Friedrichsberger Köpfe“ bekannt. Nach ihrer Genesung und endgültigen Trennung von Kurt Lohse erlebte sie eine kreative Phase.
Diagnose Schizophrenie
Nachdem sich ihr seelischer Zustand verschlechterte ließ ihr Vater sie 1932 in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf einweisen. Dort diagnostizierte man Schizophrenie. Bis 1935 arbeitete sie weiter künstlerisch.
1935 wurde sie nach der Scheidung von Kurt Lohse wegen „unheilbarer Geisteskrankheit“ entmündigt. Da sie ihre Einwilligung zur Sterilisation verweigerte durfte sie von da an die Pflegeanstalt nicht mehr verlassen.
Sie wehrte sich vergeblich, gemeinsam mit ihrer Familie, gegen die Diagnose und die Sterilisation. Im Nationalsozialismus fiel sie mit dieser Diagnose unter das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“.
Dezember 1935 wurde sie im Rahmen der nationalsozialistischen Eugenik in der Frauenklinik des Stadtkrankenhauses Dresden-Friedrichstadt zwangssterilisiert. Dieser Eingriff brach sie endgültig. Sie hörte auf zu malen.
1940 wurde sie in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein deportiert. Dort wurde sie, wie viele andere psychisch kranke oder geistig behinderte Menschen auch, mit Gas ermordet. Die offizielle Todesursache bei der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktion T4 lautete „Lungenentzündung mit Herzmuskelschwäche“.
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